Zahn — Zahn
Ein kleines Frage-Antwort-Spiel gleich vorab: Ist das selbstbetitelte Debütalbum von Zahn wegweisend? Nein. Ist es ein außergewöhnliches Album, so à la Avantgarde? Nein. Lohnt es sich, öfter als einmal in dieses Stückchen Krach reinzuhören? Auf jeden Fall.
Die drei Noiserocker von Zahn gelten unter dem Namen als Newcomer, in der Szene aber dürften sie schon fast zu den alten Hasen zählen. Das lässt sich gut am gekonnt abgestimmten Spiel des Trios abhören. Felix Gebhard entlockt der Gitarre mal minimal verhallende Pickings und Melodien, mal prall gecrunchte Riffs, während Chris Breuer wie so oft mit einem knackigen und fetten Bassklang aufwartet, wie er – zumindest in Deutschland – derzeit seinesgleichen sucht. Trommler Nic Stockmann harmoniert super mit den vier Saiten.
Ein fehlgeschliffener Edelstein
Zu den Stücken selbst: Sie tragen nichtige Namen wie „Zerrung“ und „Staub“ und reichen klangtechnisch von Stonerrock-Grooves bis Industrial- und Doom-Atmosphäre. Mal geht es mit Halbtonschritten das Griffbrett entlang, mal ergänzen Gastmusiker aus dem Bandumfeld Synthi- oder Saxophonklänge. Jedes der acht Stücke hat seinen eigenen Charakter, richtig hängen bleibt bei so viel instrumentalem Nihilismus jedoch kaum etwas.
Trotzdem lohnt es, das Zahn-Debüt zumindest zweimal zu hören. Denn die Finesse hinter den Arrangements verbirgt sich im ausgeklügelten Bandsound und der Produktion selbst. Zahn klingt massiv, wie ein bewusst fehlgeschliffener Edelstein. Und das macht das Album am Ende trotz all seiner gewollten Gleichgültigkeit so hörenswert. Live und im Bierdunst dunkler Spelunken dürfte Zahn das ein oder andere Gemüt zum Nicken bringen.
05.11.2021 (CH) Winterthur – Gaswerk
06.11.2021 Nürnberg – Z-Bau
09.11.2021 Berlin – Urban Spree
10.11.2021 Hamburg – Hafenklang
26.11.2021 Leipzig – Mörtelwerk
27.11.2021 Berlin – Urban Spree