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Seabear — In Another Life

Text: Christoph Walter, 01. April 2022

Angenommen, es gäbe ein Paralleluniversum, in dem alles nicht komplett anders ist als in unserem, sondern nur ein klein wenig. In dieser anderen Welt und in diesem anderen Leben hätten sich Seabear nach dem grandiosen „We Built A Fire“ womöglich nicht zwölf Jahre Zeit gelassen bis zur nächsten Platte, sondern einfach in regelmäßigen Abständen Album um Album veröffentlicht. Nicht ausgeschlossen, dass es dieses Paralleluniversum tatsächlich gibt und „In Another Life“ durch irgendeinen Spalt im kosmischen Gefüge auch den Weg zu uns gefunden hat.

Die elf neuen Stücke klingen nämlich so, als wären Sindri, Sóley und Co. nie weg gewesen, sondern hätten einfach da weitergemacht, wo sie zuletzt aufgehört haben. So findet sich auf „In Another Life“ eine ausgewogene Mischung aus Songs, die eher an das verspielte, folkpoppige Debüt „The Ghost That Carried Us Away“ erinnern („I Can Always Tell“, „Weathergun“) und solchen, die vor allem an das ausgefeiltere Zweitwerk denken lassen (wie das überragende „Waterphone“).

Am Ende dieses wunderbaren Hörvergnügens bleibt eigentlich nur die Frage, ob es jetzt wieder mehr als ein Jahrzehnt dauert bis zur nächsten Platte der Isländer (oder bis zum nächsten kosmischen Zufall). Die Antwort findet sich vielleicht in „Oslo“, dem letzten Song auf „In Another Life“. So beschwingt und gut gelaunt klingt nämlich kein Abschied für immer. Seabear und wir sehen und hören uns bald wieder – ganz bestimmt!