Scharping — Alternative zur Umwelt
So langsam sollte man sich doch mal an die Namen gewöhnt haben: Pabst, Messer, Die Nerven, Das Moped – Deutscher Pop und Post-Punk hat sich, was die Namenspolitik angeht schon längst auf merkwürdige Pfade begeben. Da bildet die neue Quasi-Supergroup Scharping keine Ausnahme: Das Quartett, bestehend aus Kevin Kuhn (Die Nerven), Jermain Mikel Herold (Lost Girls), Angelo Fonfara (Nille Promille) und Christian Heerdt (Botschaft) hat kürzlich sein Debütalbum „Unser Charping“ angekündigt und gleich die neue Single „Alternative zur Umwelt“ veröffentlicht.
„Alternative zur Umwelt“ ist fröhlicher, als es die Zusammensetzung von Scharping vermuten lassen würde. Schließlich ist gerade Kevin Kuhn als Teil der Band Die Nerven eher eines der Gesichter des Neuen Schwäbischen Schwermuts, also der Welle an eher düsteren Post-Punk Bands aus dem Raum Stuttgart. „Alternative zur Umwelt“ ist dagegen geradezu cheesy. Der Refrain ist nicht nur tanz- sondern sogar mitsingbar. Der Song hält sich auch sonst eher an klassische Pop-Konventionen. Und nicht nur das: mit seinem Upbeat und den hellen Gitarren grenzt er eher an Disco und Funk als an Post-Punk.
Dazu passt das Video, das beginnt nämlich mit einem sehr bekannten Gesicht. Max Gruber aka Drangsal mimt dabei den Moderator eines Amateur Dart-Wettbewerbs, den die Bandmitglieder bestreiten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich im deutschen Kulturbetrieb eine Art Netz um Max Gruber (Drangsal), Max Rieger (Die Nerven) und Casper spannt. Im erweiterten Freundes- und Kollaborationskreis dieser Künstler befinden sich Avantgardisten wie Dagobert, Newcomer wie Mia Morgan oder auch Chartstürmer wie Marteria. Drangsals Auftritt im Musikvideo ist insofern nicht nur als witziges Gimmick, sondern auch durchaus als Statement zu verstehen.
Scharping, so scheint es, ist ganz Kind seiner Zeit. Der Albumname „Unser Charping“ kann als Referenz auf die anfang der Zweitausender beliebte ZDF-Vorabendserie „Unser Charlie“ verstanden werden. Ob das am Ende anbiedernd wirkt oder eine gelungene Hommage an den Zeitgeist ist kann erst das Album selbst zeigen. Dass Scharping durchaus Potential hat, hat die Band mit „Alternative zur Umwelt“ bereits gezeigt.