Pabst — Crushed By The Weight Of The World
Wie viel Krach verträgt Popmusik? Oder muss es heißen: Wie viel Pop verträgt Krachmusik? Im Fall von Pabst ist das unklar. „Crushed by the Weight of the World“, das dritte Album des Berliner Powertrios, ist in der Diskografie keine Ausnahme. Eins steht dennoch jetzt schon fest: Der Mut zu poppigen Melodien war nie größer.
Pabst macht keinen Hehl aus seiner Neigung zur Ästhetik der späten 1990er-Jahre, musikalisch wie optisch. Im Gegenteil, Baggys, lackierte Nägel und ein Hang zu überdosierter Gitarrenzerre sind offenkundig Teil der Band-DNS. Pabst hat in diesem Sinne vor einem Jahr sogar ein Fuzz-Effektpedal bauen lassen, das dem eigenen Gusto am besten gerecht wird. Und dieses kommt natürlich auch auf „Crushed by the Weight of the World“ nicht zu knapp zum Einsatz.
Sei es die unverschämt eingängige Melodie in „Mercy Stroke“ oder der Prodigy-esque treibende Highpitch-Beat in „Daddy’s Boy“, das Instrumental ist wie Omas DIY-Pullover zu Weihnachten. Er kratzt, aber keiner hält wärmer im Winter. Und ähnlich sieht es inhaltlich auf „Crushed by the Weight of the World“ aus, denn wohlig eingebettet sind die Texte allemal.
Soundtrack für Underdogs
Während sich Erik Heise (Gesang, Gitarre), Tilman Kettner (Bass) und Tore Knipping (Schlagzeug) musikalisch irgendwo zwischen Noiserock, Grunge und Collegepunk austoben, liefern sie so etwas wie einen krachenden Soundtrack fürs Underdog-Dasein. Die Pausenschreck-Geschichten der Mittelstufe und deren Langzeitfolgen („Locker Room“) finden ebenso Platz wie die leicht selbstironische Aufarbeitung krankhaften Geltungsdrangs, der sich heute durch alle Social-Media-Plattformen und Altersschichten zieht („Say My Name“).
„Crushed by the Weight of the World“ wirkt wie ein Bindeglied zweier Generationen. Es vereint derart große Refrains, wie sie Mittdreißiger heute auf trashigen Hochzeitsfeiern voller Inbrunst mitgrölen, mit zeitgenössischer Krachästhetik und Themen, die nicht nur „Fridays for future“-Schildknappen erreichen dürften. Pabst-Platte Nummer drei ist der Gruppe größter Wurf. Zumindest für alle, die Musik am liebsten im knappen Punk-Korsett hören.
08.09.2022 Flensburg – Volksbad
09.09.2022 Hamburg – Molotow
11.09.2022 Leipzig – Naumanns
13.09.2022 Dresden – Ostpol
14.09.2022 Jena – Café Wagner
15.09.2022 Trier – Mergener Hof
16.09.2022 Koblenz – Circus Maximus
20.09.2022 Regensburg – Alte Mälzerei
21.09.2022 Nürnberg – Club Stereo
22.09.2022 München – Milla
23.09.2022 Freiburg – The Great Räng Teng Teng
24.09.2022 Karlsruhe – Kohi
25.09.2022 Augsburg – SoHo
28.09.2022 (AT) Wien – Rhiz
06.10.2022 (CH) Basel – Hirscheneck
07.10.2022 (CH) Winterthur – Gaswerk
08.10.2022 Berlin – Festsaal Kreuzberg
14.10.2022 Köln – Live Music Hall
15.10.2022 Hamburg – Markthalle
11.11.2022 München – Backstage
26.11.2022 Stuttgart – LKA Longhorn