Mantar — Pain Is Forever and This Is the End
Bei einer Band wie Mantar ist der Grat zwischen Auflösung und Durchbolzen stets ein feiner. Kaum eine Formation, die so blickdicht auf Tour ist, jeweils auf anderen Kontinenten wohnt und mit einer derartigen Geradlinigkeit bewaffnet ist, wie es Hanno Klänhardt und Erinç Sakarya sind, hält das lange durch. Hinzugekommen ist in den letzten Jahren noch eine globale Pandemie und somit die wahre Pest für ein Powerhouse wie es die Jungs aus Bremen sind. Ihr neues Album „Pain Is Forever and This Is the End“ hätte für die beiden fast den Strick bedeutet und doch zeigen sich Mantar so kraftvoll und abgründig wie nie.
Dass der Gedanke ans „Aufhören“ immer mitschwingt, daraus haben Mantar nie einen Hehl gemacht. Jeder Output, jede Tour könnte die letzte sein. Zurecht, denn die Band aus Deutschlands Norden hinterfragt ihr Wirken wie kaum eine andere. Gibt es noch was zu sagen? Lohnt sich der Stress? Haben die Fans noch Bock? Selbst wenn alle Fragen mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden können, plagen Mantar Zweifel. Und doch raffen sie sich immer wieder auf und schaffen vermutlich genau aufgrund dieser wachsamen Selbstwahrnehmung Überraschungen und große Klangwelten zwischen Punk, Metal und Grunge.
Mit einer bis zum Anschlag geschwollenen Halsschlagader brüllt und mampft sich Hanno Klänhardt durch die zehn Knochenwalzen auf ihrem nunmehr vierten Album, während Erinç Sakarya das Trommelfell bis runter in den Erdkern prügelt. Die schmerzhafte Entstehungsgeschichte von „Pain Is Forever and This Is the End“ lässt sich in jedem der Songs spüren. Unglückliche Zwischenfälle, Verletzungen und weitere Missgeschicke haben Mantar bis an den Rand des Verstands und des Aushaltbaren gebracht.
Herausgekommen ist jedoch ein Album, welches ein wenig sperriger anmutet als seine Vorgänger, aber durch seine destruktive Abrechnung mit dem pandemie-geplagten Zeitgeist vollends zu überzeugen weiß. Mantar klingen erwachsener, tiefer und breiter. Hier prasseln keine tausend Fäuste auf einen ein, vielmehr ist „Pain Is Forever and This Is the End“ ein Mahlwerk, das man am besten in seiner Gänze erlebt. Eine Zäsur, die sich auch im Album-Artwork ganz in weiß widerspiegelt, aber auch in der Direktheit, die Hanno Klänhardt wählt, wenn er über das Album spricht:
Everything that could go wrong went wrong. It was a total shitshow. Not a single moment of joy in this.
Kurz vor ihrem Untergang ist dem sympathischen Pilzgewächs aus dem Norden ein wahres Kunststück gelungen: das gekonnte Kokettieren mit Asozialität und poppigen Hooklines bei gleichbleibender Härte, Wut und Tiefgründigkeit. „Pain Is Forever and This Is the End“ hat wahrlich das Zeug dazu, Mantars weißes Album zu werden. Es tut weh, aber fühlt sich frei an!
05.08.2022 Wacken – Wacken Open Air
09.09.2022 Hannover – Bei Chez Heinz
16.09.2022 Köln – Essigfabrik
23.09.2022 München – Backstage
24.09.2022 Hamburg – Fabrik
29.09.2022 Wiesbaden – Schlachthof
30.09.2022 Stuttgart – Im Wizemann
01.10.2022 Nürnberg – Z-Bau
07.10.2022 Rostock – Zwischenbau
08.10.2022 Berlin – Columbia Theater
21.12.2022 Essen – Turock
22.12.2022 Leipzig – Conne Island