Skip to main content

Girlpool — Forgiveness

Text: Oliver Schröder, 22. Juli 2022

Version 2.0: Dass es Cleo Tucker und Harmony Tividad nicht lange in der Alternative-Schublade aushalten würden, aus der sich das Duo schon vor sieben Jahren mit Händen und Füßen heraus reckten, ist mindestens seit dem dritten Album Gewissheit. Aber wer hätte gedacht, dass es nochmal so anders, so gut werden würde? „Forgiveness“ steht am Ende eines Transformationsprozesses, der mit „Before the World Was Big“ begann und nun erst einmal abgeschlossen zu sein scheint. Denn Girlpool selbst ist zu einer Formwandlerin geworden, die ihr Antlitz von Song zu Songs ganz selbstverständlich wechselt und dabei immer sie selbst bleibt.

Und was ist denn bitte „Nothing Gives Me Pleasure“ für eine starke Ansage zu Beginn des Albums? Da fallen mit schweren Beats, Autotune-Vocals und Industrial-Vibes die letzten Reste des alten Indie-Kartenhauses in sich zusammen. Danach kann alles kommen. Und das tut es auch. Wie Girlpool hier Sounds aus der Popwelt updaten, upgraden und zu den ihren machen. Wie sich „Violet“ ganz leicht in Richtung „Karma Police“ neigt. Wie sich dreamy Zerbrechlichkeit und kalter Synth-Bombast abwechseln.

Das Album ist voller spektakulärer Momente und klingt dank Yves (Tumor) Rothman entsprechend gut. Die nächste Platte kann also sein, was auch immer sie sein will, mit „Forgiveness“ wurden die Weichen dafür gestellt. Nach der digitalen Veröffentlichung im April erscheint das Album jetzt auf CD und Vinyl.