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Dehd — Blue Skies

Text: Matthias Eichler, 30. Mai 2022

Wie der Titel des bereits dritten Albums „Blues Skies“ (und zugleich ihr Debüt für Fat Possum) von Dehd vielleicht schon vermuten lässt, ziehen die Wolken der Unsicherheit der letzten Jahre langsam weiter, um die Sicht freizugeben auf das, was nach dem Sturm geblieben ist oder auch bleiben könnte. Denn so naiv zu denken, es sei ganz vorbei sind die Chicagoer Indie-Rocker nicht.

Mit festem Boden unter den Füßen, Neuzentrierung und Erdung ist ihnen mit „Blue Skies“ ein weiterer Durchbruch ihrer Karriere gelungen. Der erste Durchbruch gelang ihnen im aufkommenden Chaos und turbulenten Zeiten des Jahres 2020 mit dem überaus erfolgreichen Vorgängeralbum „Flower Of Devotion“, welches von Pitchfork als Best New Music ausgezeichnet und in diversen Bestenlisten (The FADER, Paste, NPR Music, UPROXX, Vice) vertreten war.

Nun, da die Volatilität sich langsam wieder zu Konstanz wandelte, wurde die Hoffnung gesattelt und Scherben möglicher Bedeutungen aufgelesen, um auf eine zuversichtlichere Zukunft hinzuarbeiten. Ihr Songwriting ist fühlbar schärfer, ausgefeilter und mit durchdachteren Harmonien und Rhythmen durchzogen als auf ihrem Vorgängeralbum. Es scheint als ob Dehd das Gleichgewicht zwischen echtem Leben und echter Hoffnung eingefangen und mit einem Carpe Diem Geist eingehaucht haben.

Es wurde dasselbe Studio gebucht, in dem sie bereits „Flower of Devotion“ aufgenommen hatten, verdreifachten aber ihre Aufenthaltsdauer, um sich die Zeit zu nehmen, mit den Arrangements zu spielen und sich an einem Wunderland aus Drumcomputern und Synthesizern zu erfreuen. Durch die Zusammenarbeit mit Fat Possum war es möglich, Grammy-Preisträger Craig Silvey (The Rolling Stones, The National, Arcade Fire) und Mastering-Ingenieurin Heba Kadry (Slowdive, Bjork, Cate Le Bon), hinzuzuziehen, um die Realität für Dehds Vision für „Blue Skies“ sicherzustellen.

„This is it / The large yet / I better get it / I better let it” heißt es in einer Zeile, die annehmen lässt, wie schwierig alles von Liebe, Hingabe und Sex bis hin zu Leben und Sterben sein kann. „Bad Love“ ist ein Selbstbefreiungsschlag, mit Sängerin Emily Kempf an der Spitze, die eine Hymne über das Eingestehen von Fehlern, die Suche nach Vergebung und die Suche nach einem Weg nach vorne schreibt. „I was a bad love / Now I can get some“, singt sie zu Beginn, „I got a heart full of redemption”. Ciao zur Co-Abhängigkeit und hello gesunde Selbstbeziehung. Und ein weiteres Mal beweist Fat Possum ihren guten Riecher, was geniale Bands betrifft.

16.08.2022 Köln – Live Music Hall (+ Future Islands)
17.08.2022 München – TonHalle (+ Future Islands)
19.08.2022 Dornstadt/Ulm – Obstwiesenfestival
20.08.2022 Hamburg – Aalfest
05.11.2022 Berlin – Pitchfork Music Festival
11.11.2022 Hamburg- Molotow